"Aufhärtung" beim schweißen von Austenit

      "Aufhärtung" beim schweißen von Austenit

      Hallo Zusammen,
      üblicherweise hat der Austenit eine Härte von 180HV.
      Aus der Literatur ist mir bekannt dass der Austenit beim Schweißen aufgrund seines Gefüges nicht aufhärten kann.
      Eine Härtemessung unserer Schweißnaht beim 1.4404/1.4571 (Schweißzusatz 1.4430) hat folgendes ergeben:
      -Grundwerkstoff 170HV-187HV
      -WEZ 200HV
      -Decklage 225HV

      Ab welcher Härtesteigerung spricht man von einer Aufhärtung? Sind diese Härteunterschiede normal?
      Welche Härte würdet ihr beim Austeniten als kritisch betrachten, bezüglich Duktilität?

      Besten Dank
      Hallo,

      also eine Härtemessung führt man ja nicht ohne Grund durch. In der Regel gibt es dafür Grenzwerte welche z.B. in der EN1090 oder in der DASt-Richtlinie aufgeführt sind (z.B. bzgl. Brennschnitte) und dessen Einhaltung von z.B. den Gütekontrolleuren vorgegeben/kontrolliert werden. Wichtig in deinem Fall wäre nicht der Härteunterschied der einzelnen Messungen sondern eher die Differenz zwischen der Härte des Grundwerkstoffes und der Wärmeeinflusszone.
      Mit freundlichen Grüssen
      Gernoth
      Moin,

      ich würde diese Abweichung nicht als "Aufhärtung" bezeichnen. Das was du beobachtest, ist normal und geht einher mit höheren Festigkeitswerten und verringerter Bruchdehnung. So ziemlich jeder Schweißzusatz für nichtrostenden Stahl hat im reinen Schweißgut diese abweichenden Werte im Vergleich zum legierungsgleichen Blech.
      Das ist auch kaum anders zu machen. Eine Schweißnaht ist eine üble Vergewaltigung des Materials, mit schnellem Aufheizen und Abkühlen, Gussgefüge, grobem Korn und Ausscheidungen aller Art. Würde ich jetzt den Schweißzusatz legierungstechnisch allein nach der Härte einstellen, dann passen wieder die anderen Werte nicht, es muss also immer ein Kompromiss gefunden werden.

      Such deinen Schweißzusatz entsprechend dem Grundmaterial aus, verarbeite ihn nach Herstellerempfehlung und dann passt das schon. Dehngrenze, Bruchdehnung und Kerbschlagarbeit sind die wichtigeren Parameter als die Härte, vor allem aber saubere Verarbeitung und Anlauffarbenfreiheit.

      Gruß,
      Thomas