Gehäusedeckel aus Magnesiumlegierung gerissen

      Gehäusedeckel aus Magnesiumlegierung gerissen

      Hallo an Alle, ich bin der Olaf und hatte mich vor einiger zeit hier angemeldet und bislang die verschiedenen Themen hier im Forum verfolgt und mitgelesen, aber mich n. n. aktiv hier beteiligt. Habe selbst Erfahrung in der Anwendung von Elektrodenschweißung, Mig- Mag Schweißung, Autogen und in der Anwendung von Punktschweißzangen. Meine Erfahrung in Sachen Schweißen ist vielleicht als engagierter Anfänger zu bezeichnen. Habe sowohl umfangreiche Karosseriearbeiten an Schweller, Seitenteil, Bodenwanne und Heckteile an Pkw selbst erneuert als auch Schweißungen an LKW und Baumaschinen unter Anwendung der vorgenannten Verfahren gemacht.


      Ich habe ein altes Motorrad erstanden an welchem mutmaßlich durch Sturz bzw. Kontakt mit großen Steinen Teile des Motorgehäuses beschädigt worden sind. Durch die entstandenen Risse ist das Ganze nunmehr nicht mehr öldicht. Bislang habe ich solche Defekte erfolgreich mit 2 Komponenten aushärtender Knetmasse repariert, da Kaltmetall nicht dauerhaft dicht bleibt.

      Ich denke aber, dass sich solch eine Beschädigung mittels WIG Schweißung auch wieder dicht verschweißen lässt. Als Vorbereitung würde ich die Risse mittels Stabschleifer (Dremel o. ä.) beidseitig aufweiten und entfetten (Bremsenreiniger? Aceton).

      Das Material hat eine Stärke von ca. 2- 3 mm. Das Werkstück selbst hat in etwa die Größe eines DIN A 4 Blattes.
      Meine Fragen sind wie folgt:
      1. Reichen meine bislang gemachten Informationen für eine gute Einschätzung aus, oder braucht ihr weitere Infos?
      2. Mit welchen Verfahren wäre das schweißbar?
      3. Was wäre ein geeigneter Zusatzwerkstoff?
      4. Welches Schutzgas wäre zu nehmen?
      5. Schweißung stechend oder schleppend oder auch beides möglich?
      6. Grobe Eischätzung zur Stromstäke pro Millimeter Materialdicke?
      Da ich genügend beschädigtes gleichartiges Material habe, könnte ich selbstverständlich zuvor Probeschweißungen an diesem vornehmen. Ein Bekannter von mir hat ein WIG DC- Gerät (250 A) welches ich benützen kann. Auf die oben genannten Schweißverfahren habe ich auf der Arbeit Zugriff.

      Vielen Dank für eure Hilfe vorab.

      Olaf
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      Hallo Olaf,
      mit DC Wig kannst du bei Leichtmetallen nix anfangen- du brauchst AC Wig dafür.
      Wenn der Deckel wirklich aus reinem Mg ist (lt. Beschriftung ja) solltest du auch einen Mg Schweißdraht verwenden, gibts von verschiedenen Anbietern.
      Nach dem Vorbereiten und Reinigen würde ich den Deckel gut vorwärmen, um so weniger bekommst du Verzug hinein.
      Gruß, Bastelkönig Tom
      Hallo Tom, ich habe vorhin nochmal ein paar Fotos von den Schadstellen gemacht und stelle sie einfach mal ein. IMG_20190110_125822.jpgIMG_20190110_125831.jpgIMG_20190110_125837.jpg. Ich denke ich werde mal beim Hersteller nachfragen um welches Metall/ Material es sich handelt, da ich mir kaum vorstellen kann das es sich um reines Magnesium handelt.

      Wenn es wie Aluminium mit WIG geschweist werden muß bzw. kann, wie würdet ihr das Verhältnis Reinigung- Schweißen in Prozent vorwählen? Gas wäre sicherlich Argon 99,6%. Wenn ich weiterhin annehme das der Schweißstrom bei ca. 35 A/mm Materialdicke liegt, dürfte die Wahrheit beim schweißen zwischen 70- 90 A liegen.

      Zum Vorwärmen würde sicherlich bei der geringen Größe der Löcher/ Risse eine Heißluftpistole zum erwärmen auf ca. 130 Grad reichen. Oder?
      Könnte man das eventuell auch mit einer MIG/ MAG Anlage schweißen? Wenn ja, welche Anforderungen müßte man an diese haben?

      Gruß Olaf
      Ist kein reines Magnesium, das Wort steht da nur drauf weil es dem käufer eines gewisses Maß an Exklusivität und Race-Feeling vermitteln soll.
      Ehrlicher wäre "Magnesium mit seehr viel Aluminium".

      Aussen und innenseite vor dem Schweissen Picobello saubermachen, regelrecht in Aceton baden und auf so lala 160-200° im Backofen Vorwärmen.
      Auch die Unterseite der Schweisstellle mit Schuztgas schützen. "Formieren".

      Du wirst aber trotzdem eine unansehnliche Gruselige Schweißnaht mit Zahlreichen Poren produzieren,
      wenn du Glück hast.
      Wahrscheinlicher ist,das sich plötzlich ein teil deines Schweißbades mit so einer komischen Gräulichen "Haut" überzieht, ganz ganz kurz bevor sich denn da so'n Riesen Loch auftut.

      Das sind so meine erfahrungen, soll aber Leute geben die das können.
      Frag mich aber bitte keiner nach dem Schweißzusatz,den hatte mir ein bekannter besorgt der in einer Gießerei gearbeitet hatte.
      Hallo ? und Gruß nach WF,

      ich denke auch das der überwiegende Materialanteil aus Al besteht. Es wäre interessant zu wissen wie hoch der Mg Anteil im Werkstück ist, denn die üblichen Al Zusatzwerkstoffe haben fast alle schon einen geringen Mg Anteil dabei z. B. AlMg 4.5 bzw. AlMg 5. Einen der vorgenannten beiden hätte ich auf Rolle. Für einen etwas höhereren Mg Anteil spricht sicherlich der Umstand, dass das Werkstück allein von der Farbe gegenüber üblichen Aluminium deutlich grau gefärbt ist und in der Tat auch eine größere Porosität aufweist. Ich denke man könnte vielleicht bei Böhler oder Esab noch einen mit höherem Mg- Anteil legierten Zusatzwerkstoff finden. Hoffe meine Gedanken sind insofern richtig?

      Gruß Olaf

      Bastelkönig wrote:

      Wenn der Deckel wirklich aus reinem Mg ist (lt. Beschriftung ja) solltest du auch einen Mg Schweißdraht verwenden, gibts von verschiedenen Anbietern.


      Und der ist sehr teuer wie z.B. :

      SG_MgAl6Zn.jpg

      Um etwaige Porenbildungen bei Gusslegierungen effektiv zu reduzieren ist, laut einiger Test`s, eine Vorwärmtemperatur von 200 C° zu empfehlen. Wichtig ist halt die Sauberkeit, vorallem sollte man im Schweißnahtbereich schleifen, um dort später Korrosion zu vermeiden. Wenn man das nämlich nicht macht, könnte in diesem Bereich keine neue Passivierung stattfinden.
      Mit freundlichen Grüssen
      Gernoth
      AZ61 wäre auch meine Wahl gewesen. In Amiland gibts auch diesen hier usweldingcorp.net/TDS/tds1308.pdf

      Verfahren WIG AC am besten mit Fußpedal. Vorwärmen würde ich nicht, denn Du wirst aufgrund des Öls in den Poren schon genug Wärme einbringen, bis die erste Raupe gelegt ist.

      Aluguss, der über Jahre (SWM-> Jahrzehnte??) im Öl war ist gelinde gesagt schon besch.... zu schweißen. Magnesium ist noch schlimmer!

      SC36 wrote:

      schweissperle wrote:

      aufgrund des Öls in den Poren ...........


      und genau deswegen hab ich mir angewöhnt Guss/Motor teile reichlich und lange vorzuwärmen.
      Schweisst sich deutlich besser.


      Dann habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Das "Vorwärmen" mache ich mit dem WIG Brenner ( dewegen Fußpedal ). Damit kocht man den restlichen Dreck, welcher beim mechanischen / chemischen Reinigen nicht aus den Poren kam, raus und reinigt durch den positiven Stromanteil den Schweißbereich. Wichtig dabei ist, das Bauteil nicht zu überhitzen (übermäßiger Verzug). Immer wieder Pause machen und bürsten, Feierabendsyndrom vermeiden.
      Hallo an Alle,

      zunächst mal einen herzlichen Dank für die rege Beteiligung am Fred. Mittlerweile hat mir der Importeur bestätigt, dass die neueren Baujahre schweißbar sind. Bei diesen Bauteilen dürfte der AL Anteil deutlich überwiegen. Das deckt sich auch mit meinen am gestrigen Tag gemachten Beobachtungen beim Kratztest mittels scharfen Schraubendreher. Die Fläche wird glänzend wie reines Al. Ich komme bei der Materialwahl z. B. auf Esab OK 5556 oder alternativ auf MTC MT-AlMg 4,5 MnZr 3.3546. Das material ist sowohl WIG als auch MIG/ MAG schweißbar.

      @ Gernoth, das von dir vorgeschlagene Material (Zusatzwerkstoff) dürfte sicherlich für nahezu reines Mg Material zu verwenden sein. Der Preis dafür mag gerechtfertigt sein, auch wenn ich nur 50- 100 Gramm davon benötige, stellt sich für mich bei dem zu reparierenden Bauteil die Frage, ob es wirtschaftlich Sinn macht? Bei einem größeren Bauteil welches nicht mehr zu bekommen ist, egal ob Neu- oder Altteil und der Wert daher ungleich höher als bei meinem Bauteil, ist der Einsatz sicherlich gerechtfertigt.

      Ich versuche gerade Kontakt zu jemandem zu bekommen von dem ich weiss, dass er das Material bereits mittels Schweißung repariert hat. Mal sehen ob er mir in der Sache weiter helfen kann.

      Das ermitteln der Materialdicke hat gestern ein Maß von 4 mm ergeben. Sofern meine Erwägungen zuträfen und ich mit einem der beiden oben genannten Materialien arbeiten könnte, ist es lt. Datenblättern noch nicht erforderlich das Material vorzuwärmen. Ich denke aber dennoch daran es trotzdem vorzuwärmen. Eine weitere Frage ist ob auch ein langsames Abkühlen erforderlich ist?

      Gruß Olaf