Edelstahl schweißen (Gerät, Technik, Verzug, Arbeitsicherheit)

      Edelstahl schweißen (Gerät, Technik, Verzug, Arbeitsicherheit)

      Hallo zusammen,
      bei meinem aktuellen Projekt bin ich dabei mir einen Grill zu bauen, welchen ich komplett aus Edelstahl baue (Mein erstes Edelstahlprojekt).
      Die Vierkantrohre sind weitesgehend zugeschnitten und nun stellt sich mir die Frage, wie ich das am besten schweiße.
      1. Option
        Einen Fachmann das machen lassen
      2. Option
        Selber machen
      Ich tendiere zu Option 2, da ich gerne handwerklich neue Sachen lerne.
      Aktuell habe ich ein E-Hand- und ein Mig-/Mag- Schweißgerät, wenn ich es richtig gelesen habe, kann man mit MAG, Elektrode sowie mit WIG Edelstahl schweißen.
      • Elektrode: Das Ergebnis gefällt mir Optisch leider nicht. Natürlich mit Elektroden, welche für Edelstahl geeignet sind
      • MAG: Hier müsste ich ein neues Schlauchpaket sowie ein 2. Schutzgaß besorgen
        Ich konnte aber hier im Forum schon lesen, dass bei diesem Schweißverfahren wohl ziemlich viele giftige Stoffe (im Vergleich zu WIG) freigesetzt werden.
      • WIG: Aktuell mein Favorit. Hier steht ein ganz einfaches Gerät zur Auswahl, ohne Pulse, ohne Einstellbarkeit der An- und Abstiegszeiten, usw..
      Stimmt das soweit?

      Nun zu meinen Fragen, wo ich mich freuen würde, wenn ihr mir hier weiterhelfen würdet.
      • Wie sieht es beim WIG-Schweißen bezüglich giftiger Gase aus? Muss ich hier einen Rauchabzug vorsehen, reicht ein großer Raum, reicht es einfach ein Fenster zu öffnen?
      • Wie sieht es beim WIG-Schweißen mit Verzug aus? Das Material ist überwiegend 25x25x2 mm Vierkantrohr?

      Ich würde mich freuen, wenn ihr mir mit eurer Erfahrung weiterhelfen würdet.
      Für Tipps, Trick und eure Meinung bin ich ebenfalls dankbar.



      Danke und Gruß

      Fabian
      Um den Punkt mit der Gifitigkeit wirst du bei allen 3 Varianten nicht drumrum kommen. Die Chromdämpfe sind einfach nur eine Folge dessen, dass eben viel Chrom in den rostfreien Stählen vorhanden ist und dieses bei den hohen Temperaturen zum Teil verdampft.
      Also entweder draußen schweißen (was für Elektrode sprechen würde) oder Absaugung anbringen. Großer Raum bringt dir nichts, wenn du da länger als 10 Minuten nach dem Beginn der ersten Schweißnaht am selben Tag noch drin weiterarbeiten willst. Bei Fenster auf sind es dann vielleicht 11 Minuten...

      Letztendlich eine Frage des Budgets. Mit Elektrode wärest du zumindest für den Anfang am günstigsten dabei, weil du schon ein Gerät hast. Dafür sind die Elektroden auf Dauer teurer als Gas+Zusatzwerkstoff bei MIG und WIG.

      Was gefällt dir denn an deinen Elektroden-Nähten nicht?
      Kippt der Bauer Milch in den Tank, wird der Trecker sterbenskrank.
      Hallo Obijan,
      danke für dein Antwort.

      Vielleicht habe ich mich bei Elektrode auch zu doof angestellt.
      Ich habe die verwendetet Elektroden auch noch einmal überprüft, dass sind OK 61.80. Habe diese damals als Edelstahlelektroden gekauft.
      Die folgenden Bilder sollen meine Probe-Schweißergebnisse zeigen:
      Bild V-Naht Link
      Bild V-Naht Link
      Bild Kehlnaht Link

      Fazit: Zum einen stört mich die hohe Anzahl an Perlen, welche sich um die Schweißnaht befinden.
      Die erste Naht finde ich nicht sauber bzw. ordentlich. Lediglich das zweite Bild zeigt eine Schweißnaht mit der ich sehr zufrieden bin.
      Die Kehlnaht habe ich komplett "vemasselt", leider weis ich hier jedoch nicht warum. Was habe ich bei der Kehlnaht sowie bei der 1 Naht falsch gemacht?
      Bekomme ich die Verfärbung mit "Bürsten" wieder weg? Bei WIG-Schweißungen sind diese (in den Videos) kaum sichtbar.
      Was kann man gegen die Schweißperlen machen?


      Heute war ich noch einmal im Fachmarkt und dort wurden mir supranox 308l Elektroden verkauft (Keine Werbung an dieser Stelle).
      Mit diesen will ich am Wochenende noch einmal 1-2 Schweißversuche starten. Im Datenblatt habe ich gelesen, dass diese Elektroden für einen maximale Temperatur von 400°C ausgelegt sind. Reicht diese Temperatur für einen Grill?
      Wo liegt diese Temperatur (ungefähr) beim WIG schweißen?


      Danke und Gruß
      Fabian
      Servus,

      wegen dem Schweißrauch bei Cr-Ni, BG-Empfehlung, wenn ich mich richtig erinnere: Bei MAG oder E-Hand -> Partikelfiltermaske FFP3 oder/und Absaugung direkt im Entstehungsbereich, bei WIG -> Mind. technische Raumlüftung

      Die OK 61.80 ist auch eine Cr-Ni-Elektrode, prinzipiell vergleichbar mit der 308L, aber zusätzlich noch mit etwas Niob legiert/stabilisiert (=etwas korrosionsbeständiger).
      Die 400°C (bei einem vergleichbaren WIG-Zusatz gleich/ähnlich) beziehen sich auf Anwendungen bspw. in der Chemieindustrie mit korrosiven Medien und/oder mechanischer Belastung, das halte ich für einen Grill im Privatbereich nicht sooo relevant. Regelmäßig reinigen und ist :) . Die Kohlenwanne kann allerdings mit der Zeit anlaufen, u.U. verzundern und evtl. rosten.

      Bei der Kehlnaht und auch der ersten Stumpfnaht würde ich sagen zu 90% zu langer Lichtbogen. Die beiden genannten Eletrodentypen kann man prinzipiell auch aufgelegt verschweißen, solange du die nicht kräftig ins Schmelzbad drückst sondern die Kante der Umhüllung nur leicht berühren lässt gibts eigentlich keine Probleme wegen Klebenbleiben. Polung ist Elektrode an Plus bei Gleichstrom? Oder verwendest du Wechselstrom?
      Welchen Elektrodendurchmesser hast du verwendet? 2 mm Wandstärke geht mit viel Übung mit ner 2,5er, einfacher wären aber 2,0 mm oder sogar nur 1,6 mm.
      Die Stumpfnähte würde ich bei der Materialstärke nicht anfasen (I-Naht statt V-Naht), höchstens etwas stärker entgraten wenn die Stumpfnaht verschliffen werden soll.

      bez. Anlauffarben: Unbedingt so gut es geht entfernen, das vermindert die Korrosionsbeständigkeit, möglich ist z.B. Schleifen, Bürsten (auch mit entsprechender Rundbürste f. Winkelschleifer, in jedem Fall Bürste mit Cr-Ni-Draht), Feilen, Beizen

      bez. Spritzer: (sofern die Naht nicht verschliffen wird) geht meist ein Großteil mit der erwähnten motorisierten Bürste weg, hartnäckigere mit einem Meißel
      schöne Grüße
      Tommy
      Hallo,

      vielen Dank für diese ausführliche und sehr hilfreiche Erläuterung.

      @Tommy:
      "Polung ist Elektrode an Plus bei Gleichstrom? Oder verwendest du Wechselstrom?"
      Es handelt sich bei dem Gerät um einen Gleistromschweißtrafo.

      "Welchen Elektrodendurchmesser hast du verwendet?"
      Bei den OK 61.80 handelt es sich um 2,5 mm Elektroden, zum testen habe ich mir im Fachmarkt 2,0 mm Elektroden gekauft. 1,6 mm Elektroden hatten die leider nicht. Die ersten Bilder wurden mit der 2,5 mm starken Elektrode geschweißt. Am Wochenende werde ich die 2,0 mm starken Elektroden testen.

      "Die Stumpfnähte würde ich bei der Materialstärke nicht anfasen (I-Naht statt V-Naht), höchstens etwas stärker entgraten wenn die Stumpfnaht verschliffen werden soll."
      Wenn die Schweißnaht "schön" wird, brauch diese bei einem Grill (aus meiner Sicht) nicht mehr verschliffen werden.
      Hierzu hätte ich noch eine Frage. I-Naht würde bedeuten, dass ich zwischen beiden Werkstücken etwas Abstand beim Verschweißen lasse?
      Was spircht dagegen, die Kanten der Werkstücken schräg anzuschleifen, press zusammem zu legen und anschließend zu verschweißen (V-Naht)?

      @Obijan: Am Wochende werde ich einen 2. Versuch mit 2 mm Elektroden starten und damit üben.

      @Flensjens:
      "Auf welcher polung hast du geschweißt, und hast du sie vorher rückgetrocknet? "
      Beim Schweißen war der +Pol an der Elektrode.
      Was meinst du mit "rückgetrocknet", die Elektroden werden im trockenen, warmen Raum gelagert.


      Bevor ich am Wochenende übe habe ich noch zwei Fragen an euch:
      Im Grunde bestehen viele Komponenten des Grills aus Bauteilen, wie sie in meiner Zeichnung dargestellt werden (Link).
      Meine erste Frage wäre, feile ich alle Kanten schräg an, lege die Werkstücke press zusammen, Punkte alle Ecken und fange anschließend mit dem durchschweißen der Naht an. Oder muss ein Abstand zwischen den Werkstücken bleiben und die Ecken werden nicht abgeschrägt?
      Die zweite Frage geht in die Richtung Verzug. Wie bekomme bei dem in der Zeichnung dargestellten Bauteil so wenig wie möglich Verzug hin?


      Danke und Gruß
      Fabian
      Wegen Rücktrocknen: Schau mal auf der Packung nach, was da steht. Nicht alle Elektroden brauchen das, aber wenn doch, dann reicht es nicht die in einem subjektiv trockenen Raum zu lagern. Trocken aus Sicht der Elektrode heißt: Backofen ziemlich weit aufdrehen. Am besten, du hast noch irgendwo einen, den du nicht mehr für Nahrungsmittel benötigst.

      Elektroden, die entgegen der Anweisung nicht rückgetrocknet wurden, zünden ziemlich mies, kleben dauernd und die Nähte sehen aus wie eine Mondkraterlandschaft.
      Kippt der Bauer Milch in den Tank, wird der Trecker sterbenskrank.
      Das würde ich so pauschal nicht sagen - es kommt immens auf die Konstruktion selbst an, wie er sich verzieht. Mit ein bisschen Geschick kann man auch von vornherein so konstruieren, dass der Verzug nicht stört. Generell würde ich behaupten, je stabiler (viele Versteifungen) man baut, desto mehr muss man aufpassen.
      Kippt der Bauer Milch in den Tank, wird der Trecker sterbenskrank.
      Servus,

      wg. Heften und Verzug: ich hatte hier mal eine mögliche Vorgehensweise für Rahmen aus Quadratrohr o.ä. beschrieben, war zwar auf auf Gehrung geschnittene Rohre bezogen, lässt sich hier aber abwandeln.

      wg. I-/V-Naht: Klar du hast Recht, wenn man ne Wurzelausprägung wie aus dem Bilderbuch hinbekommen will entweder I-Naht mit etwas Spalt oder V-Naht. Nachdem es hier um ne unkritische Anwendung geht hab ich halt die Variante I-Naht ohne Spalt vorgeschlagen weil das am wenigsten zum Durchfallen neigt. mMn ist das für diese Anwendung ausreichend, es wird ja trotzdem ein Teil in Dickenrichtung aufgeschmolzen.
      Wenn du unbedingt eine V-Naht schweißen willst würde ich aber bei 2 mm Dicke wie gesagt empfehlen nicht so anzufasen, dass die untere Kante scharfkantig ist, sonder die obere Kante nur etwas stärker entgraten

      Obijan schrieb:

      je stabiler (viele Versteifungen) man baut, desto mehr muss man aufpassen


      Das ist aus meiner Sicht auch so ein zweischneidiges Schwert, einerseits sind mehr Nähte potenziell mehr Verzug, andererseits hat man bei Versteifungen die Chance dass sich die Teile gegenseitig stabilisieren, kommt halt auf den Einzelfall an

      schöne Grüße
      Tommy
      Tach,
      Verzug kann durch viele Heftpunkte entgegen gewirkt werden.
      Wichtig - beim Heften sowie Schweissen sollte das Objekt mittels Schraubzwingen plan fixiert werden und auch solange, bis es wieder abgekühlt ist.
      Manchmal ist der Werktisch jedoch zu gross um allseitig mit Zwingen spannen zu können - dann kann man sich mit einer dicken Spanplatte/Arbeitsplatte behelfen, die etwas grösser ist als das Objekt, welches man schweissen will.
      Die meisten Baumärkte haben in der Holzabteilung ein Resteregal, wo man für kleines Geld diverse Reste von Arbeitsplatten/Spanplatten im gewünschten Format finden kann.
      Mit ein paar Leisten und Spaxschrauben dazu kann man sich aus diesem Zeugs auch günstige Lehren bauen - wenn man jetzt mehrere Module gleichen Maßes herstellen muss.

      Grüße
      skookum