Motor schweissen

      Motor schweissen

      Während meinem Aufenthalt in Südamerika habe ich einen Typen mit einer
      Werkstatt besucht. Er ist 28 Jahre alt und schon seit einigen Jahren
      selbständig. Ein Kerngeschäft hat er nicht. Hauptsächlich repariert er
      Motoren und was sonst noch so anfällt. Seine Werkstatt ist ganz simpel
      ausgestattet. Zwei Drehen, eine Säge, Bohrmaschine, Presse und einige
      Schweissmaschinen.

      Im Video und auf den Fotos könnt ihr sehen wie er einen Motor mit
      verschlissenen Messinglagern repariert. Anstatt die Messingbüchsen zu ersetzen
      schweisst er einfach Material auf den Rotor des Motors. Danach bearbeitet er den Rotor
      auf der Drehbank und passt ihn auf die verschlissenen Messingbüchsen an.

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      Naja, wenn man das mit deutschem Perfektionismus sieht ist das natürlich Pfusch, aber vermutlich machen die so etwas nicht das erste Mal. Ein Anlasser kann das sicherlich ab, der dreht ja nicht sehr hochtourig und kräftig genug ist der auch. Das funktioniert vielleicht länger als wir glauben. Im übrigen ist improvisieren etwas aus dem "Stehgreif" zu tun - und das ist somit improvisiert. Unter den Bedingungen und mit den Mitteln ist das bemerkenswert (solche Fähigkeiten gab es seinerzeit auch in der ehemaligen DDR und in Polen).

      Und eine Reparatur ist es wenn es nachher wieder funktioniert.
      Auf jeden Fall sind die Lager der Drehbank sofort hin wenn da der Schweißstrom durch fliesst...
      Und ich bin auch der Meinung, das sowas einfach hinpfuschen ist. Geht halt dann irgendwie,
      keiner kann sagen, wie lange. Hauptsache der Kunde ist vom Hof. Ist ja dann auch sogar irgendwie repariert...
      Wobei Messing ein sehr schlechtes Lagermaterial ist, übliche metallischen Gleitlagerbuchsen sind aus Bronze, Sinterbronze z.B.
      Gruß, Bastelkönig
      Die besonderen Fähigkeiten sind halt wenn man es auch hin bekommt mit einfachsten Mitteln weil der Kunde kein Geld hat und man nicht im wohlhabenden Europa Zuhause ist, wo man gerade mal den Werkstoffhändler anruft und sich eine Stange Rotguß liefern lässt um neue Lagerbuchsen zu drehen. Ich bezweifle stark das mit der dort vorhandenen Ausrüstung jeder zweite hier in der Lage wäre die Aufgaben dort vor Ort so zu lösen wie der es kann.

      Im übrigen wüsste ich nicht warum die Lager der Drehmaschine sofort hin sein sollten nur weil da Strom durchfließt. youtube.com/watch?v=qCRxzcPc-uE

      Hier noch ein Gegenentwurf zum elektronischen MIG/MAG und WIG Inverter youtube.com/watch?v=HTJKksnurS0 :)

      niroclean schrieb:


      Im übrigen wüsste ich nicht warum die Lager der Drehmaschine sofort hin sein sollten nur weil da Strom durchfließt. youtube.com/watch?v=qCRxzcPc-uE

      In dem verlinkten Video scheint mir der Strom eben nicht durch die Lager zu fließen.

      Wenn der Strom durch die Lager fließt, könnten lokal heiße Stellen entstehen, weil der Schweißstrom durch sehr kleine Flächen geleitet wird - die Rollen berühren die Lagerschalen nur linienartig.
      Man kann ja nicht sehen wo im ersten Video die Masse angeschlossen ist (könnte ja hinten an der Hohlspindel sein) und ich glaube das die Kegelrollenlager der Spindel den benötigten Strom auch ohne Probleme übertragen können (ist ja keine High-Tech Maschine).

      Hier auch noch einmal: youtube.com/watch?v=Usc8Y5LSgYs

      „Bei hohen Drehzahlen trennt ein Schmierfilm die Kugeln von den Laufbahnen. Dabei kann es in elektrischen Maschinen zu Stromüberschlägen im Lager kommen“, sagt Bernd Sauer, Professor an der TU Kaiserslautern. Der Stromfluss kann die Metalloberflächen durch Funken zerstören, es kann aber auch zum „Verbrennen“ des Schmierfilms kommen.
      Die Kräfte auf die Räder wirken trotzdem anders als in einer Werkzeugmaschinenspindel. Bei Geradeausfahrt rein radial, in Kurven radial, axial und ein Kippmoment. Die axialen Kräfte können aber wegen der Bodenhaftung der Reifen nie größer werden als die radialen Kräfte, das ist bei einer Spindel völlig anders. Schrägkugellager oder Axialkugellager sind hier besser, die wiederum vertragen die Kippmomente in einer Radnabe nicht so gut - besonders wenn sie so dicht beieinander montiert sind.

      Unabhängig davon: Ich würde auf meiner Drehbank auch nicht schweißen, nichtmal wenn ich die Masse direkt am Werkstück anschließe und keine Elektronen durch die Spindellager drücken. Spindellager sind zwar teuer, man kann sie aber tauschen. Das ist beim Maschinenbett nicht so ohne weiteres möglich.
      Kippt der Bauer Milch in den Tank, wird der Trecker sterbenskrank.
      Naja, bei einer 2000 Dollar Magnum Drehmaschine aus China werden sicherlich wesentlich günstigere Spindellager verwendet.

      Ich war mal bei einem Automobilzulieferer beschäftigt, dort wurden unter anderem auch Kupplungsausrücklager für VW produziert, dafür braucht man ja auch entsprechende Kugeln. Da in diesem Bereich ja mit jedem Cent gerechnet wird, wurden die Kugeln vom günstigsten Anbieter bezogen, das war seinerzeit KRS (ehemaliges DDR Unternehmen - wurde nach gescheiterter Privatisierung an die Treuhand zurück gegeben und dann für Umme an einen cleveren Geschäftsmann verschleudert).

      Dann kamen die Chinesen langsam auf den Markt und unser Chef hat einfach mal zur Probe dort Kugeln in 100 Cr6 geordert (2 Tonnen) - die Kugeln waren gar nicht mal so schlecht und kosteten nicht mal 1/10 der KRS Kugeln (bei größeren Abnahmemengen hätte man noch einen günstigeren Preis bekommen).