ESAB Arc Force Einstellung

      ESAB Arc Force Einstellung

      Hallo
      Ich habe letzte Woche 2mm Baustahl auf meinem ESAB Inverter per Elektrode verschweißt. Die I-Naht zu beginn war kein Problem. Die Naht saß zwar etwas zu sehr obendrauf, aber sonst top und ohne Schlacke drin. Danach hatte ich noch einige Kehlnähte zu schweißen. Davon habe ich erstmal keine einzige vernünftig hinbekommen. Jedesmal hatte ich recht oder links Schlacke drin. Auf meinem alten ESS-Trafo war das kein Problem und immer Schlackefrei. Nach einigen Nähten hatte ich das Schweißgerät in Verdacht und habe mal bewusst an der ARC-Force Einstellung rumgedreht. Und schon ließen sich in der niedrigeren Arc-Force Einstellung brauchbare Kehlnähte produzieren.
      In der Anleitung zur Maschine steht unter Arc Force:
      Arc Force (Stabelektrodenschweißen)
      Die Arc Force--Einstellung ändert die Dynamik der Maschine, so daßein
      weicherer/härterer Lichtbogen erhalten werden kann. [...] Höhere Werte ergeben einen härteren
      Lichtbogen.

      Genau den Eindruck hatte ich beim Schweißen auch. Bei Einstellung "50", die ich bei den ersten Versuchen hatte, wurde immer nur eine Seite der Kehle erwärmt und an der anderen Seite klebte die Schlacke. Bei Einstellung "20" hatte ich einen Lichtbogen, der weniger gebündelt war und mir schön die ganze Kehle aufwärmte und schon war keine Schlacke mehr in der Naht. Bei Einstellung "0" war der Lichtbogen dagegen ungerichtet und brannte in alle Richtungen. Damit war auch nix anzufangen.
      Jetzt kommen mir aber zwei Fragen auf:
      1) Warum hat das Gerät überhaupt so eine Einstellung? Ich habe von der Einstellung immer nur im Zusammenhang mit Mig/Mag Schweißen gelesen.
      2)Unter Arc-Force findet man in den meisten Erklärungen eine Erhöhung der Stromstärke bei zu kurzem Lichtbogen. Warum nennt ESAB diese Einstellung Arc Force?
      Oder ist der härtere bzw. weichere Lichtbogen ein Nebeneffekt, der mit der Arc-Force Einstellung einhergeht? Und die Einstellung ist, wie bei allen anderen Herstellern beschrieben, zur Erhöhung der Stromstärke bei kurzem Lichbogen...
      gruß Jonas
      Hallo,

      ARC-Force Funktion: Die Funktion wirkt sich stabilisierend auf die Lichbogenspannung aus. Wenn sich ein Schweißtropfen von der Elektrode löst und ins Schmelzbad übergeht, dann kann es ohne dieser Funktion vorkommen,
      dass sich kurzzeitig (im Millisekundenbereich) ein Kurzschluss bildet und der Lichbogen erlischt. Die ARC-Force Funktion überwacht die Lichbodenspannung und erkennt so eine Situation auf Grund der rasch sinkenden Lichtbogenspannung
      schon kutz zuvor. Als Reaktion darauf wird der Schweißstrom blitzartig erhöht und schleutert damit den Schweißstropfen ins Schmelzbad. Damit sollte der Lichbogen recht stabil bleiben. Weiters wird auch erkannt, wenn man mit der Elketrode
      zu nah zum Schweißbad kommt, eigentlich fast die gleiche Auswirkung wie zuvor geschildert. Durch die Erhöhung des Schweißstromes erhöht sich auch die Abschmelzleistung der Elektrode und verhindert das Eintauchen ins Schmelzbad.
      Alles funktioniert natürlich nur in bestimmten Grenzen.
      Gruß
      Hallo,

      rm_Joe schrieb:

      Aber
      warum nennt ESAB die Lichtbogenhärte "Arc Force"???


      Weil aus meiner Sicht jede Medailie immer 2 Seiten hat, und je nach Lage man die eine odere andere Seite sieht. Was ich oben beschrieben habe ist die eine Seite. Diese wird von den Herstellern als die positivere gesehen. Es gibt aber auch die andere Seite, die von der Fa, EASB anscheinend als die positivere gesehen wird. Um die zu erläutern muss man aber einige Grundlagen der Elektotechnik verstehen.
      Bei dem MIG/MAG Verfahren (ohne Impuls-Lichtbogen) gibt es 3 veschiedene Arten von Lichtbögen. Dies sind der Kurzlichtbogen, der Übergangslichtbogen (Mischlichtbogen) und der Langlichtbogen. Der Werkstoffübergang (Elektrode
      in das Schmelzbad) erfolgt beim Kurzlichbogen immer im Kurzschluss, Übergangslichtbogen und Langlichtbogen sind kurzschlußbehaftet. Die Tropfengröße ist beim Kurzlichtbogen fein und im Übergangslichtbogen und Langlichtbogen mittelfein bis grob.
      Was passiert bei einem Kurzschluss? ---> der Strom steigt sehr steil an und die Spannung fällt steil ab.
      Bei den MIG/MAG Geräten kann man die Lichtbogendynamik (inkludiert auch die Lichtbogenhärte) mittels Drossel/elektronischer Drossel einstellen. Bei den ältern Geräten hat man eine(Speicher) Drossel mit einer oder meheren
      Anzapfungen. Bei den elekronischen kann man die Drosselwirkung (=Induktivität) linear regeln.
      Welche Funktion hat eine Stromdrossel?: EIne Stromdrossel kann in einer Leitung elektrische Energie in Form eines magnetischen Feldes zwischenspeichen und wieder abgeben. Für sehr steil ansteigende Ströme (die ja bei einem Kurzschluss auftreten) stellt die die Drossel eine höheren induktiven Widerstand da und bergrenzt damit den Stromanstieg (wandelt elektrische Energie in magnetische Energie um und speichert diese). Fällt dieser wieder ab, gibt die (Speicher) Drossel die zuvor magnetisch gespeicherte Energie wieder ab. Die Drossel glättet damit den Schweißstrom. Je nach Glättungsfaktor bekommt man den weichern oder härteren Lichtbogen. Die Lichtbogenbreite bestimmt im Wesentlichen die Lichtbogenhärte.

      Was macht ARC-Force: Wie oben schon beschrieben überwacht die ARC-Force Einrichtung die Lichtbogenspannung und den Lichtbogenstrom. Bei drohenden Kuzrschluss (Tropfenübergang) - je nach Hersteller unterschiedlich, liegt die Aktivierung bei ca. < 8 Volt Lichtbogenspannung - wird der Schweißstrom blitzartig erhöht um einen Kurzschluss zu vermeiden, bzw. die Tropfenablösung zu beschleunigen.
      Was ist nun elektrisch gesesehen der Unterschied zum MIG/MAG schweißen --> keiner, nur das beim MIG/MAG schweißen der steile Stromanstieg(Abfall durch einen Kurzschluss vom Schweißdraht ausgelöst wird, und beim MMA mit aktivierter ARC-Force durch diese eben, und die MMA Geräte keine Stromdrossel haben, bzw. bei Multigeräten, diese deaktiviert wird.

      Meine Schlussfolgerung daraus: ARC-Force dient in erster Line einen ruhigen Liichtbogen bereit zu stellen, durch die steile Stromerhöhung/Abfall wird die Lichtbogenhärte auch beinflusst. Welche Seite der Medailie mehr glänzt,
      muss sich jeder mit sich selbst ausmachen.
      Das elektromagnetische Feld und dessen Wirkung (Kraft) hat vielfältige Einflüsse beim MMA Schweißen. Man denke nur an den Einschnüreffekt und an die Blaswirkung,

      Aber um ganz sicher zu gehen, würde ich beim Service von ESAB einfach anrufen und mir das ganz genau erklären lassen. Mein Erklärungsversuch ist ja nur eine Einzelmeinung dazu und möglicherweise hat das auch noch ganz andere
      Gründe.

      Gruß
      Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Das war die Antwort, die ich gesucht habe. Dann werde ich mal noch zu den Lichbogencharakteristiken weiter recherchieren und das Thema bzw. die Problemlösung in meinem Fall nochmal zusammenfassen und Anhängen. Für die Nachwelt. =)
      gruß und ein schönes Wochenende
      Jonas