Graue, matte Nähte bei WIG

      Graue, matte Nähte bei WIG

      Hi Leute,
      nach meinen ersten Gehversuchen in Sachen WIG habe ich nun mal ein paar Raupen auf einem kleinen Stück Edelstahlblech geschweißt. Es ist wirklich zum kotzen, was dabei rauskommt.
      Die "Nähte" sind grau und total matt und haben nichts damit zu tun, was man oft in Videos sieht, Selbst wenn ich nur den Edelstahl (Also ohne Zusatzstoff) aufschmelze, ist das Ergebnis das selbe. Matt und grau.
      Rund um die "Naht" gibt es diese diversen Anlauffarben im Abstand von ca. 1 cm von der Naht. Gehe ich mit den Ampere runter, sitzt die Naht wie eine wirkliche Raupe auf dem Blech - und ist natürlich ebenfalls grau und matt.
      Stromstärke höher ergibt dann zwar mehr Einbrand - ich muss dann aber etwas schneller schweißen, damit ich kein Loch produziere. Aber auch dann ist alles immer grau und matt.
      Was mach ich da alles falsch ? Einstellungen:
      Maschine: 0,8 sek Gas Vorströmzeit, 30 A DC Startstrom, Ramp up 3 Sekunden, Schweißstrom 65 A DC, Ramp down 3 Sekunden, 30 A Endstrom DC, 5 Sek. Gas Nachströmzeit.
      Elektrode: Wolfram Gold 2,4 mm am Minuspol (Auch mit der 1,6er probiert)
      Gasdüse: ich hab es mit einer 7er und einer 8er probiert - immer selbes Ergebnis
      Zusatzstoff: 2 mm Edelstahl WIG Stab (Auch mit 1,6 mm probiert. Immer das selbe, besch…. Ergebnis.
      Gas: Ganz normales Argon 4.6 mit ca. 10 Liter/Minute Durchflussmenge (gemessen an der Gasdüse vorne)
      Den Brenner halte ich relativ gerade - ein wenig in Schweißrichtung geneigt, damit ich sehen kann, ob und wo Material aufschmilzt.
      Hat jemand eine Idee, was ich da falsch mache ?
      Hallo,
      1) hast du schon einmal mit einer V2A Drahtbürste die Schweißnaht gebürstet?
      2) Ich nehme an, dass du ein 2mm starkes Blech damit schweißt. Welche Naht (I-Naht, V-Naht, Kehlnaht, u.s.w.)?
      3) Die Gasmenge würde ich auf ca. 6-7l/min reduzieren.
      4 Gasdüse so 6/7
      5) Brennerhaltung ist auch ganz wichtig. Bei stechender Brennerführung sollte den Brenner um die 30-35 Grad von der Normale in Schweißrichtung
      geneigt sein.
      6) Elektrodendurchmesser würde eine 1.6 gut passen. Anschleifwinkel ca. 30 Grad (spitz).
      7) Überstand der Elektrode ca. 4-5mm
      8 ) Abstand Elektrode zum Grundmaterial ca. 2mm - 4mm
      9) Schweißzusatz im Winkel mit 15 Grad ins Schweißbad tupfen (ca. 3-5mm vor der glühenden Elektrodenspitze)
      10) Schutzgasleitungen und Brenner müssen dicht sein.
      11) Da hab ich mal so eine Tabelle mit den Einstellungen gemacht, die ich mit meinen Schweißgeräten verwende. Bin aber auch ein Hobbybrutzler.
      Pulsdauer bei pWIG

      Edit: Es sind Raupen, damit ist die Sub-Frage nach der Nahtform schon erledigt.schweisserforum.de/index.php/T…G/?postID=16102#post16102
      Gruß
      Hallo und danke für die Tipps!
      @kleinermuk - super Tabelle! Ich werde mal die ganzen Punkte in der Praxis durchgehen, Mal sehen ob ich da etwas hinbekomme, was auch nur annähernd einer WIG Naht gleicht... ;)
      Gebürstet hab ich noch nicht. Werde ich morgen mal probieren. Aber die Naht sollte ja schon von Haus aus glänzen oder ?
      2 mm Blechstärke stimmt. Es sind - wie Du richtig erkannt hast - einfache Raupen (für den Anfang glaub ich, ist das am einfachsten)
      Eventuell hab ich zu viel Gas - kann ja sein dass es einen gegenteiligen Effekt auslöst, indem sich das Gas sozusagen selbst wegbläst... werde mit den Litern mal runtergehen auf Deine Vorschlagswerte
      Alle anderen Punkte passen - das hab ich si gemacht wie Du es hier sagst. Wie gesagt - werde nochmal einen Versuch starten.
      Danke einstweilen.
      PS: Eine halbwegs vernünftige Naht sollte ja auch ohne Jumbo Linse machbar sein oder ? Aber ich werde mir mal so ein Ding anschaffen. Zuerst will ich an meinen Fehlern arbeiten - dann erst die Ausrüstung optimieren.
      Ist das der falsche Weg ?

      dfens schrieb:

      Zuerst will ich an meinen Fehlern arbeiten - dann erst die Ausrüstung optimieren.
      Ist das der falsche Weg ?


      Man sagt auch gerne ganz allgemein: "Für einen Anfänger ist das Beste gerade gut genug" - weil die Gefahr besteht, dass der Anfänger bei Problemen und Mißerfolgen schnell dazu neigen könnte die Lust an der Sache generell zu verlieren. Das wäre dann eigentlich sehr schade.
      Aber man muss sich das Beste auch erstmal leisten können!

      Will heißen es ist verdammt schwierig als Anfänger immer die richtigen Entscheidungen zukunftsorientiert zu treffen, mit dem noch mangelhaften Wissen von heute. Ein sehr schwieriger Spagat, wie ich aus eigener Erfahrung zurückblickend heute weiß ;)

      Welcher Weg für Dich der Richtige ist, weiß leider nicht wincke.gif .
      Ja da hast Du natürlich auch wieder recht. Wenn gar nichts klappt, verkauft man wieder alles und das wars dann. Ich vergleich es halt gern mit dem Schifahren. Jemand, der es nicht kann, wird auch mit dem 900 EUR Top Modell der Saison auch nur unkontrolliert herumrutschen. Jemand der es kann, wird sich auch mit einfachster Ausrüstung gut zurechtfinden. Stichwort "Mängelkompensation". Aber ich geb Dir recht - das Zeug zum Schweißen kostet nicht die Welt und ich werde mir diese ganzen großen Düsen, Gaslinsen, gscheite Elektroden und ordentlichen Zusatz besorgen. Das Gas wird ja hoffentlich passen (hab die 20 Liter Mietflasche eines renommierten Gasvertriebs namens Messer Gase zu Hause) Die werden mir da ja nicht O eingefüllt haben ;)
      Servus,

      versuch mal als ersten Schritt (auch wenn es sich stumpfsinnig anhört) nur Nähte ohne Zusatz zu ziehen. Dann kannst du den Brenner erstmal mit beiden Händen führen und dich auf die Brennerhaltung konzentrieren. Achte dabei bewusst auf einen möglichst kurzen Brennerabstand, am Anfang neigt man dazu diesen zu groß zu halten, und dass der Anstellwinkel in Schweißrichtung nicht zu groß wird, ruhig mal bewusst senkrecht führen, du musst ja zunächst erst mal keinen Zusatz zugeben.
      Wenn der Brennerabstand das Problem war dürftest du den Brenner auch bei gleicher Stromeinstellung schneller bewegen können, ohne das das Schmelzbad abreißt, das kann auch gegen die grauen Nähte helfen.

      Btw., solange du die Oxidschicht nach dem Schweißen sauber entfernst hat das i.d.R. keine Nachteile was die Korrosionsbeständigkeit angeht
      schöne Grüße
      Tommy
      Aber nur wenn die Schicht wirklich nur oberflächlich war.
      Wenn du vorher so lange drauf gebraten hast, dass das Schmelzbad bis zur ungeschützten Rückseite flüssig war ist die gesamte Naht durchsetzt mit Oxid.

      Ramp up/down würde ich erstmal deaktivieren.
      Nach 1 bis max. 3 sekunden muss das Schmelzbad richtig ausgebildet sein und dann sofort zügig loslegen.
      Diese langen Ramp-Up Phasen verleiten nur zum trödeln.

      Außerdem vorher viel Zeit nehmen und die Bleche, Zusatz, Elektrode alles blank und ganz sauber machen.
      Dann wie bereits angesprochen den Elektrodenabstand so gut wie möglich verkleinern.

      Die Gas Zuleitung und das Schlauchpaket könnten auch undicht sein, oder eben ein kontaminierter Argon-Zylinder.
      Kommt leider auch vor.