Neuvorstellung eines WIG-Schweißeinsteigers

      Dirk schrieb:

      Es gibt ganz tolle Videos von "Manfred Welding" in deutsch, schau dir die mal an auf YouTube. Da lernt man echt viel.

      Wenn ich dich richtig verstehe, bist du noch ganz am Anfang aber immerhin schon in der Praxis. Das o.g. Buch ist wirklich ein heisser Tipp.


      Gelesen und Schweißvideos geschaut habe ich schon Unzähliges - Theorie ist das eine, Praxis etwas ganz anderes. Ich bin deswegen so frustriert und genervt, weil ich - wie ich eingangs hier schon schrieb - vor ca. 25 Jahren mit einem WIG-Gerät Kehlnähte an einem Wintergarten geschweißt habe, ganz ohne Schweißzusatz. Das Gerät war natürlich richtig eingestellt und ich habe nur die Pressfuge verschmelzen lassen - war gaaanz einfach! Warum ich jetzt so ein Theater habe, ich versteh es nicht wirklich.

      Hier nun ein paar Bilder meiner gestrigen Schweißübungen an 1 mm und 2 mm Stahlblech mit 1,6-er Wolframnadel - gold, längs angeschliffen, aber wohl etwas zu stumpf:

      Auf den Übungsstücken hab ich jeweils die Blechdicke und die Amper-Zahl vermerkt, außerdem die Richtung in die geschweißt wurde.

      Bild 003 - Heftversuche,
      Bild 004 - Rückseite von Bild 003, man sieht es fehlt der durchgehende Einbrand, ein Schweißpunkt ist trotzdem sogar durchgebrannt. Was mache ich falsch?

      Danach habe ich mich an 2 mm dickem Blech versucht.
      Bild 002 - die Naht rechts wurde press geschweißt, also ohne Fuge. Die Rückseite sieht man rechts auf
      Bild 001 - und erkennt deutlich den mangelnden Einbrand, obwohl mit 65 A geschweißt wurde. Die "Schweißnaht" links auf diesem Bild 001 wurde versucht mit 0,5 mm Spalt zu verschweißen - dies mißlang. Am Nahtanfang (oben im Bild) sind die Ränder der beiden Blechteile stark aufgeschmolzen und der Nahtspalt hat sich vergrößert. Diesen Vorgang habe ich unter / hinter der Flamme gar nicht wahrgenommen und unbekümmert weiter geschweißt :( . Etwa zu Beginn des unteren Drittels ist die Naht dann doch noch irgend wie verschmolzen. Auch zur vorangegangenen Pressnaht fällt mir auf, dass die Hitzeverfärbung auf dem Blech breiter geworden ist - es wurde wohl heißer. Was sollte mir das sagen, was ist wiederum falsch?

      Bild 005 - wieder 1 mm Blech mit Pressnaht. Die zu verschweißenden Teile lagen lose, unfixiert auf dem Schweißtisch. Auch hier wieder die breiter werdende Wärmeeinwirkung. Das Blech verzog sich und in der Folge gab es Durchbrände. Das ist gut erkennbar auf dem Bilder 008.
      Bild 006 - zeigt die Rückseite der Schweiß"naht" des Bildes 005. Nur ein winziges Nahtstück im mittleren Abschnitt würde wohl den Anforderungen so eben entsprechen. Was ist da wieder alles falsch gelaufen und vor allem wie kann ich das abstellen?
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      Hallo Reinhard,
      leider bin ich etwas mit Arbeit überlastet und komme jetzt erst zum schreiben. Mein Gas ist alle und bis der Nachschub kommt dauert es etwas lach...
      Das "lesen" aus Bildern überlasse ich lieber den Fachleuten, hier hat es ja einige. Bei Bild 5 und 6 jedoch bin ich mir sehr sicher, das es zum Hitzestau am Nahtende gekommen ist. Dies zeigt mir die Verfärbung des Metalls. Deshalb auch Loch am Ende. Was ich aber nicht vertsehe ist, warum die Löcher nur auf einer Blechhälfte sind während die andere Blechhälfte nichtmal angeschmolzene Flanken aufweist.
      Man müsste wirklich mal vor Ort prüfen ob dein Schweißgerät funktioniert, ob die Nadel richtig angeschliffen ist u.s.w.
      Jeden einzelenen Parameter überprüfen. Wenn du mal mit der WIG Nadel ins Schmelzbad eintauchst oder den Schweißzusatz berührst, musst du unbedingt wieder anschleifen.
      Auf Bild 3 sieht man ganz deutlich das die meisten Hefter neben der Spur liegen. Jetzt stelle ich mal die unverschämte aber respektvoll gemeinte Frage: Siehst du das richtig wenn du schweißt?
      Ich habe selbst eine starke Sehschwäche und habe mir für meinen Speedglas Helm Vorsatzgläser mit Dioptrin gekauft.
      Jetzt kann ich schweißen wie jeder andere auch, man muss nur wissen das es solche Gläßer gibt.
      Ich schweiße übrigens auf Dunkelstufe 9 in der Werkstatt. Draußen bei Sonnenschein natürlich höherer Schutzfaktor.
      Es sind einfach so viele Dinge die ein Anfänger berücksichtigen muss, das man fast verweifelt wenn es nicht klappt.
      Deswegen Schritt für Schritt alles abklären und die Fehlerquelle(n) eingrenzen.

      Gruß aus dem drückend schwülen Römerberg,
      Dirk
      LORCH HT 220 DC

      Dirk schrieb:

      Jetzt stelle ich mal die unverschämte aber respektvoll gemeinte Frage: Siehst du das richtig wenn du schweißt?
      Ich habe selbst eine starke Sehschwäche und habe mir für meinen Speedglas Helm Vorsatzgläser mit Dioptrin gekauft.


      Wie bereits vor einem Monat gesagt: Cheater Lense rein mit 2-3 Dioptrin und Schutzstufe runter damit du mal was siehst.

      Wenn du als Anfänger nicht siehst was du tust wird das nie was.

      Sieh dir die Videos von Jody (weldingtipsandtricks) auf Youtube an. Wenn du den Lichtbogen und das Schmelzbad nicht so klar siehst wie im Video machst du was falsch.
      Blind nach Gefühl schweißen ist sehr schwierig und für einen Anfänger unmöglich.

      Bei Altersweitsichtigkeit helfen nur Cheater Lenses, sonst müsstest du mindestens 70cm von der Arbeit weg sein.

      Vielen Dank für Eure beiden Antworten.

      Wo bekommt man solche Vorsatzlinsen für den Schweißhelm? Muss man da eine Sehstärke angeben?
      Bin eigentlich kein Brillenträger und hatte nur mal früher kurzzeitig nur eine Brille für Verkehrschilder beim Autofahren und Fernsehen, dann später nur eine Lesebrille, an die ich mich aber nie gewöhnen konnte. Sehe heute mit und ohne gleichermaßen gut oder schlecht. Wenn Texte zu klein werden benutze ich ein Vergrößerungsglas.

      Dass ich die Stoßnaht nicht richtig treffe könnte auch daran liegen, dass ich die Schweißflamme zumeist von seitlich beobachte - dann kommt man schnell aus der Spur. Habe aber auch öfters das Gefühl, dass die Flamme nicht zentrisch brennt. Auch die WIG-Elektrode sitzt nicht exakt im Zentrum der Keramikdüse. Keine Ahnung, ob's damit etwas zu tun hat.

      Dirk schrieb:

      Bei Bild 5 und 6 jedoch bin ich mir sehr sicher, das es zum Hitzestau am Nahtende gekommen ist. Dies zeigt mir die Verfärbung des Metalls. Deshalb auch Loch am Ende. Was ich aber nicht vertsehe ist, warum die Löcher nur auf einer Blechhälfte sind während die andere Blechhälfte nichtmal angeschmolzene Flanken aufweist.


      Das Durchbrennen resultierte m. E. wohl daraus, dass die nicht geheftete Fuge beim Schweißvorgang immer weiter klaffte . Dadurch kam (nur noch) auf einer Seite viel Wärme ins Material und gleichzeitig verzogen sich die Bleche. Der Einbrand entstand dort, wo der Spalt - auch horizontal - zu groß wurde. Auf dem Bild 8 sollte dies in der seitlichen vergrößerten Ansicht gut zu erkennen sein.

      Habe mir jetzt das WIG-Buch bestellt und werde / muss noch fleißig weiter üben - langsam wird es schon besser.

      In diesem Sinne: Alles wird am Ende gut, ist es noch nicht gut, ist es noch nicht das Ende a040.gif .
      Beste Grüße aus dem kühlen Schweißerkeller - Reinhard
      Ne, das hat mit Brille etc. nichts zu tun, du siehst die Elektrode und das Schmelzbad einfach viel größer.
      In deinem Fall zusätzlich noch wesentlich schärfer, weil deine Augen das Nahe sonst nicht so gut scharfstellen könnnen.

      Stell es dir wie eine Lupe vor.

      Ich habe 0 Dioptrin, 100% auf beiden Glotzern und nehme oft die Cheater Lense her.
      Weil es einfach genauer geht.

      Wenn du kein Fachgeschäft in der Nähe hast würde ich in Online Shops gucken oder einfach mal ein paar Händler anschreiben.
      "Ich habe Helm XY und hätte gerne 2-3 Dioptrin Veregrößerungslinsen.

      Wirst im wahrsten Sinne des Wortes sehen was das für einen Unterschied macht ;)
      wo ist nur meine gestrige Antwort geblieben - nix mehr da!

      Auf ein Neues: Das Finden einer Lieferquelle für die Linsen hat bis jetzt nicht geklappt.
      Nur aus dem Ausland oder mit paypal von diesem Buchhändler ginge das.
      Auch die Schweißhelmlieferanten und Schweißprofifirmen kennen 'Cheter Lens' bzw. Vergrößerungslinsen nicht.
      Wer kennt eine deutsche Bezugsmöglichkeit?

      Übrigens das Schweißerbuch ist heute eingetroffen - macht einen sehr guten und gründlichen Eindruck, nochmals danke an Dirk für den super Tipp.
      Btw: Die Scheißergebnisse werden langsam deutlich besser.

      Gruß - Reinhard
      Hallo Dirk,

      hier die Antwort, die ich auf meine Anfrage erhalten habe
      "vielen Dank für Ihre Nachricht und das damit verbundenen Interesse an
      den Schweisshelden und unserem Sortiment. Leider können wir Ihnen keine
      passenden Vergrößerungslinsen für Ihren Schweisshelm anbieten, da wir
      diesen nicht vertreiben und somit auch kein Zubehör dafür anbieten.
      Unsere Vergrößerungslinsen bzw. Dioptrienscheiben sind ausschließlich
      für 3M Speedglas und Kemper Automatikschweisshelme.
      "

      Vector welding und Stahlwerk haben gar keine Linsen im Programm und auch ein Gassparventil kennen diese Schweißgeräteverkäufer nicht!
      Werden solche Zubehörteile so selten nachgefragt?
      Sind diese Verdunkelungs-Einsatzelemente/-kassetten in den Helmen nicht alle baugleich? Der Helmproduzent wird die doch auch nur zukaufen, so wie Reifen zu einem Auto. Die Rechteckgröße der Steckmöglichkeit hat bei mir ca. 105 x 45 mm.

      Fotos kommen später,

      Gruß - Reinhard
      Hi Reinhard,
      Die Kasetten sind leider nicht alle glerich und unterscheiden sich ja auch in der Form. Ich habe eine XL Größe gewählt = größeres Sichtfeld.
      Die von Optrel sehen wieder ganz anders aus als die von Speedglas.
      Der Neue 2.5er von Optrel würde mir aber sehr gut gefallen, aber das ist ein anderes Thema.

      Eventuell passen die 3M Speedglas ja mit etwas Bastelei auch bei deinem Helm, stell mal Fotos rein!

      PS.: Schön das dir das Buch gefällt, hat mir auch schon sehr geolfen und man hat immer ein Nachschlagewerk wenn man mal länger nicht geschweißt hat und das ein oder andere vergessen ist.

      Gruß
      Dirk
      LORCH HT 220 DC
      Hier nun die angekündigten Fotos vom Helm und von den letzten Schweißergebnissen mit 1,6-er Edelstahlblech. Die 90° zueinander verschweißten beiden Blechstreifen (weiß jetzt gerade nicht wie man so eine Naht fachtechnisch richtig nennt) habe ich mit 45 A geschweißt. Beim Vorgänger mit 50 A brannte die Naht teilweise durch. Denke mal die Naht ist jetzt akzeptabel und auch rückseitig ganz gut durchgeschweißt. Zwischen den beiden blauen Filzstift-Strichen habe ich hoch etwas nachgeschweißt. Wie beurteilen die Spezialisten dieses Ergebnis?

      Weiß jemand wo es die zu meinem Helm passenden Linsen gibt bzw. wie die genaue Bezeichnung und Abmessung ist?
      Nach der schweren Geburt mit meinem Schweißgerät hatte ich einfach keine Lust mehr mich auch noch mit den Unterschieden bei den verschiedenen Helmen auseinander zu setzen. An der Größe des Sichtfeldes kann ich nicht rummeckern. Das reicht mir bisher vollkommen - mehr würde nur ablenken ;) .

      Beste Grüße - Reinhard
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