Argon umfüllen, was beachten?

      Argon umfüllen, was beachten?

      Hallo zusammen,

      ich würde gerne mal wissen wie das mit dem Argon umfüllen genau geht.
      ich würde gerne meine 200 bar 20 Liter Flasche an einer 300 bar 50 Liter Flasche "befüllen".

      ich habe noch nie Gase umgefüllt (Außer Druckluft :D ) und wüsste gern welchen umfüllbogen ich benötige, was zu beachten ist etc.

      Beste Grüße,
      christian
      Moin,

      zu beachten ist, dass du es lassen solltest, wenn du davon keine Ahnung hast. Ich erkläre kurz, warum:

      Es ist unsicher.

      1.
      Eine 200bar-Flasche ist mit einem Prüfdruck von 300bar getestet. Eine 300bar-Flasche kann bei höheren Temperaturen auch schon mal 320bar haben, da wird's schon eng.
      In der ersten Runde kommst du bei direkter Verbindung der beiden Flaschen auf ein Systemvolumen von 50+20=70l. Das macht bei 15m³ Gasinhalt der 50l/300bar-Flasche 15.000l / 70l = 214bar. Damit ist die 20l-Flasche schon an der oberen Grenze dessen, was man ihr auf Dauer antun sollte.

      2.
      In den weiteren Runden geht es dann schnell runter mit 153bar, 109bar und 78bar usw. Du wirst immer öfter nachfüllen müssen und irgendwann ist dann Schluss.

      3.
      Und das ist das kritischste: Das Gas in einer leeren 20l-Flasche wird sich bei plötzlicher Kompression von 1 auf 214bar schlagartig erwärmen, und zwar extrem. Rechnerisch komme ich auf über 2000°C (ja, genau!). Das Stichwort lautet adiabatische Kompression (de.wikipedia.org/wiki/Adiabatische_Zustands%C3%A4nderung). Das ist der Luftpumpeneffekt. In der Realität wird die Erwärmung zwar geringer ausfallen, weil die Flaschenwand einiges an Wärme aufnimmt. Aber je schneller und unkontrollierter du das Ventil an der grossen Flasche öffnest, desto schlimmer wird es. Im Gasefüllwerk werden die Flaschen deswegen z.T. mit Wasser gekühlt und langsam (!) gefüllt. Das hat seinen Grund.
      Wenn z.B. das Ventil der grossen Flasche ein wenig hängt und viel Kraft erfordert, kann es schon heftig werden, wenn es plötzlich aufspringt.

      4. 300bar ist sehr viel. Wenn dein Umfüllbogen einen Fehler hat und reisst, rauchts im Karton. Eine 300bar-Flasche mit offenem Ausgang geht ohne weiteres durch Wände. Ich übertreibe nicht, Youtube ist voll davon.

      5. Von den rechtlichen Aspekten a la "wer Flaschen füllt, betreibt ein Füllwerk und muss bestimmte Auflagen erfüllen" will ich gar nicht erst anfangen. Lass es.

      Freundliche Grüsse,
      Thomas
      Kühlt das expandierende einströmende Gas nicht ? Anfangs von 300bar auf 1,2,3....200bar andererseits die kompression von 1...auf 200.....

      ich glaub dasbleibt neutral, Stichwort abgeschlossenes System ( keine Arbeit von außen zugeführt) bzw es dürfte eher kälter werden ( Wirkungsgrad <100)



      Gazello schrieb:

      Kühlt das expandierende einströmende Gas nicht ? Anfangs von 300bar auf 1,2,3....200bar andererseits die kompression von 1...auf 200.....

      ich glaub dasbleibt neutral, Stichwort abgeschlossenes System ( keine Arbeit von außen zugeführt) bzw es dürfte eher kälter werden ( Wirkungsgrad <100)


      Ja, das stimmt, aber nur auf das Gesamtsystem bezogen. Die Erwärmung und Abkühlung finden aber an unterschiedlichen Orten statt (Erwärmung der zu füllenden Flasche, Abkühlung der "Quell"-Flasche), und diese Unterschiede gleichen sich nur langsam aus.

      Bei einer Entspannung von 300 auf 214bar kühlt das Gas auf -17°C ab. Diese -17°C reichen nicht, um die Erwärmung durch die anschliessende Kompression von 1 auf 200bar zu kompensieren.

      Ich gebe zu, das ganze ist blanke Theorie und von mir auch noch stark vereinfachend gerechnet. Besser kann ich es nicht, Thermodynamik war nie meine Stärke. Ich sage auch nicht, dass es nicht geht, ich sage nur, man sollte es als "Amateur" nicht machen... ;)

      Hier ist noch ein wenig offizielle Info dazu: industriegaseverband.de/system…1ee/umfuellenvongasen.pdf

      Viele Grüsse,
      Thomas
      Das System ist doch offen, lieferflasche kühlt ab empfangerflasche erwärmt sich , die umgebungsluft sorgt für die null Bilanz bzw für die notwendigen Verluste in der Energie

      aber praktisch habe ich das auch noch nicht gemacht also reine theorie

      Hallo
      Mal abgesehen von den ganzen theoretischen Erklärungen,steht in den Sicherheitshinweisen (pdf) unter 2. gleich als erstes der Hinweis auf den gleichen Prüfdruck der Flaschen!
      Das ist hier wie oben auch schon mal errechnet das Problem.
      Von gleichen Flaschen (Druck) auch in unterschiedlichen Größen füllen wir auch ab und zu.
      Handelsüblicher Umfüllbogen(Linde Shop).Zu füllende Flasche Ventil zu erst ganz auf. Liefernde Flasche nur ganz wenig milimeter auf,hört man zischen.Je weniger auf um so besser (Temperatur, siehe oben).
      Trotzdem immer Vorsicht. Hier wird mit Druck gearbeitet. Als phy. Größe!
      Kein Tempo gemeint! Eher im Gegenteil, ruhig liefernde Flasche mal zudrehen das sich Temperatur normalisieren kann.
      Langsam und geduldig kommt es auch zum Druckausgleich.
      Was bei den handelsüblichen Umfüllbogen fehlt ist ein Manometer.siehe pdf.
      Aber geht auch so,ist aber nicht korrekt.
      Noch eine Frage :
      Hab irgendwo gelesen das ab 10kg die stunde Sicherheitsnorm für Füllanlagen greift?!
      Noch was,wir machen das nur ab und zu auf Baustellen, mit unterschiedlichen Lieferanten.
      Es gibt Flaschen in deren Ventil ist ein Art Rückschlagventil.
      Kannst Du nicht so einfach befüllen.
      Und noch eins zum Handling:
      Umfüllbogen zuerst an zu füllende Flasche anschließen. Dann Ventil ganz wenig auf, Gas(Rest) leicht! strömen lassen beim Anschluss an die liefernde Flasche, wenn da auch fest, Ventil ganz auf und siehe oben.