Probleme mit MIG/MAG

      Probleme mit MIG/MAG

      Hallo Schweisserfreunde,

      ich bin seit längerer Zeit am mittlesen im Forum bei diversen Themen und komme einfach nicht so recht weiter mit meinem neuen MIG-Schweissgerät. Vielleicht kann mir ja jemand ein paar Erklärungen geben.

      ich schweisse seit längerem WIG und Elektrode, soweit sind Grundkenntnisse vorhanden. Nun habe ich mir aus rationellen Gründen ein modernes MIG-Gerät gekauft. Betrieben mit 18% CO2 und rest Argon, wie glaube ich für Stahl üblich denke ich.

      Am Gerät kann zb. beim Puls-Programm die Materialstärke in mm einstellen und entsprechend ändern Strom/Spannung/Drahtvorschub automatisch mit. Soweit noch gut. Ich weiss, dass es einen optimalen Bereich plus/minus gibt, erkennbar scheinbar am sound.

      Sagen wir mal so, ich mache eine Kehlnaht mit 4mm Blechen. Wenn ich auf 4mm Materialstärke einstelle, dann gibt das eine enorme Schweissgut-Menge unter einem mal. Wenn ich aber lieber etwas pendeln möchte und die Nahtbreite durch die Brennerpendelung bestimmen will und dadurch die Materialstärke sagen wir mal auf 2mm einstelle, dann ergibt sich schnell einmal eine unschöne Nahtüberhöhung (ähnlich dem Auftragsschweissen). Versuche mit der Lichtbogen-Längenkorrektur ergaben für mich nichts greifbares bis jetzt.

      Das zweite ist, bei Stumpfnähten mit etwas Abstand dazwischen für die Wurzellage. Entweder füllt es die Lage direkt gewaltig auf oder es erfasst die Flanken wieder zu wenig, vermutlich weil ich zuwenig Leistung gebe. Gerne würde ich zb. die Wurzellage schweissen und dann noch eine Decklage zb. bei 4mm Blechen. Bei der Decklagenschweissung ergeben sich gerne noch Einbrandkerben entlang der Naht (ich weiss, dass das nicht sein sollte/darf), ist die Leistung dann zu hoch oder warte ich an den Flanken zuwenig lange, oder sonst etwas?

      Und das dritte, was mir auch unklar ist, eine Nahtüberhöhung - liest man im Netz teilweise - sei gewollt. Scheinbar hat sie aber zur Nahtfestigkeit keinen Einfluss mehr. Warum ist sie gewollt, um ev. Einbrandkerben am Rand komplett auszuschliessen?

      Ich bin euch für jeden Tipp dankbar.
      Grüsse, Rap78
      Wenn man über die Blechstärkenregelung schweißen möchte, sollte man auch die Schweißgeschwindigkeit einhalten können, was eigentlich fast unmöglich ist, vorallem als Hobbybruzler. Diesbezügl. gibt es auch eine Nahtüberhöhung weil du halt zu langsam schweißt. Und eine Pendelbewegung bei einer Kehlnaht (Wurzel) ist eher unüblich, da Bindefehler vorprogrammiert sind. Bei der Wurzel-Stumpfnaht an den Seiten etwas verhahren um die Kanten aufzuschmelzen und schnell über die Mitte ziehen. Nahtüberhöhung = zu wenig Strom und/oder zu langsam.
      Mit freundlichen Grüssen
      Gernoth
      schonmal vielen Dank für die Antworten. Ich hab nun mal länger auf einem Probeblech Raupen gelegt und dabei etwas experimentiert. Ich vermutete auch langsam, dass es mit der Geschwindigkeit zu tun hat. Gehe ich richtig in der Annahme, dass die Lichtbogenlängenkorrektur die Spannung ändert?

      Und die Drossel kann auch verändert werden. Gibt es Grundsätze, wann man welchen Wert etwas anpassen soll?

      die Aussage: Nahtüberhöhung = zu wenig Strom und/oder zu langsam
      hilft schon mal fürs Verständnis ungemein weiter!

      vielen Dank!
      Noch einmal zur Nahtüberhöhung, dies kann natürlich auch passieren wenn man mit dem - Pol schweißt.

      Durch eine Vergrößerung des Kontaktrohrabstandes wird in der Regel der Schweißstrom reduziert (mehr Widerstand + längerer Lichtbogen), reduziert man also „ungewollt“ den Schweißstrom durch eine Vergrößerung des Kontaktrohrabstandes (Abstand Stromdüse bis Material) dann wird zwar die Schweißnaht flacher aber die Gefahr von Bindefehlern/Kerben größer. Die Lichtbogenlängenkorrektur gleicht diesen gewollten od. ungewollten Fehler wieder aus.

      Bzgl. der Drossel, welche hauptsächlich dazu dient die Spannungsspitzen im Kurzlichtbogenbereich zu reduzieren (ca. 15 - 20 Volt), wird eine geringe Drosselwirkung zu einer vermehrten Spritzerbildung und eine zu hohe Drosseleinstellung zu einem schlechteren Zündverhalten führen.
      Mit freundlichen Grüssen
      Gernoth
      Das Schweissen mit falscher Polung kann ich ausschliessen.
      Der Kontaktrohrabstand halte ich möglichst auf ca. 15mm. Das heisst, ich kann den Wert der Lichtbogenlängenkorr. auf 0 belassen.
      Die starken "agressiven" Spritzer im unteren Strom-Bereich beim Kurzlichtbogen störten mich auch schon. Das heisst, ich kann ohne weiteres die Drossel erhöhen und bekomme weniger Spritzer, ohne zb. auf Einbrandtiefe oder sonst etwas verzichten zu müssen? Gezündet hat die Maschine bis jetzt vorallem mit frisch abgeschnittenem Draht immer gut, mit Kügelchen nicht ganz immer. Sollte man immer abschneiden oder sollte das eigentlich nicht notwendig sein? Ich habe das Gefühl, beim Schweissende hat der Draht aus der Kontaktdüse meistens eine ganz kleine Kugel vorne, die auch irgendwie oxidiert (inkl. ein paar mm des Drahtes) aussieht. Ist das normal oder sollte ich die Gasnachströmung länger einstellen? Ist momentan auf 0.5s. Ist das üblich? Der Gasfluss ist beim 1mm Draht auf ca. 10L/min eingestellt.

      Vielen Dank!

      rap78 schrieb:

      Die starken "agressiven" Spritzer im unteren Strom-Bereich beim Kurzlichtbogen störten mich auch schon. Das heisst, ich kann ohne weiteres die Drossel erhöhen und bekomme weniger Spritzer, ohne zb. auf Einbrandtiefe oder sonst etwas verzichten zu müssen?


      Ja das kannst Du.

      rap78 schrieb:

      Gezündet hat die Maschine bis jetzt vorallem mit frisch abgeschnittenem Draht immer gut, mit Kügelchen nicht ganz immer. Sollte man immer abschneiden oder sollte das eigentlich nicht notwendig sein?


      Normaler Weise muß man den Draht nicht abschneiden, meistens wird am Ende der Naht/des Schweißvorganges der Fehler gemacht den Brenner abrupt wegzuziehen, einfach mal stehenbleiben und durchatmen.
      Jedoch zündet der Draht auch sehr schlecht z.B. nach einer Schweißpause, wenn man die Naht dann verlängern möchte, da sich auf der vorhandenen Naht Silikate ablagern (das braune Zeug) und diese müssen vorher entfernt werden.
      Mit freundlichen Grüssen
      Gernoth
      Danke mal allerseits für die Tipps und Hilfe. Langsam geht es besser, die Theorie lernt man halt nicht über Nacht. Ich hatte noch den Anwendungstechniker im Haus und den noch etwas gelöchert, nun sammle ich weiter meine Erfahrungen. Falls etwas grundlegendes dabei rauskommt und das für andere interessant sein kann, stelle ich das hier rein. Vielen Dank euch, speziell auch an Gernoth!