Riss im Guss-Getriebehehäuse Schweißen

      Riss im Guss-Getriebehehäuse Schweißen

      Hallo Freunde,

      Unter meinem Trektorgetriebe befindet sich ein recht langer Riss.
      Evtl. ist dieser durch Frost entstanden, da der Traktor Bj 1953 ist und lange stand, sowie Wasser im Getriebe hatte.
      Ich hatte den Riss vor 5 Jahren etwas ausgearbeitet und mit Haftstahl geflickt. Dieses hat jedoch nicht gehalten und ist erneut aufgerissen, sodass es dauerhaft leicht tropft.
      Nun habe ich mir die Mühe gemacht und das Getriebe auf den Kopf gedreht, sodass ich es schweißen kann.
      Da Gussschweißungen jedoch nicht ganz einfach sind, die Frage an euch, wie ich es am besten anstelle.
      Von der Schweißtechnik steht mir ein leistungsstarkes MIG/MAG Pulsgerät, Elehtroden-Handschweißgerät und ein billigen WIG-Gerät zur Verfügung.
      Ich denke es handelt sich bei dem Getriebe um lamellaren Guss.
      Mein aktueller Plan sieht vor, dass ich eine Nife 60/40 Elektrode nehme, da ich denke, dass ich das Gehäuse nicht stärker aufwärmen kann, ohne dass der Riss sich dadurch ausweitet.
      Seht ihr das auch so?
      Wie tief flexe ich den Riss auf? Habe die Befürchtung, dass ich komplett durchflexe. Augrund der Zahnräder im Getriebe kann ich da nicht gut was hinterlegen.
      Ist es sinnvoll, nachdem ich den Riss zugeschweißt habe, quer über die Naht eine Verstärkung zu schweißen?
      Da würde ich dann 2-3 Flachstähle nehmen und die mit der Nife-Elektrode drüberbraten.
      Gibt es jemanden, der sowas schon einmal gemacht hat und Tipps geben kann zu diesem speziellen Fall?
      Bilder befinden sich im Anhang.
      Danke im Voraus

      Gruß
      Der Deutzfahrer
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      Servus,

      Bezüglich dem Ausarbeiten, weißt du wie dick die Gehäusewand ist? Prinzipiell wärs in Bezug darauf dass es auf lange Sicht nicht wieder aufgeht schon günstiger wenn möglichst der komplette Querschnitt repariert wird. Aus dem gleichen Grund an den Rissenden eine Bohrung machen, damit sich da nichts weiter ausbreitet. Die Bohrungen helfen evtl. auch um die Wandstärke/ verbleibende Wandstärke beim Ausschleifen abschätzen zu können.
      Wenn du bei E-Hand bleibst könnte man je nach Elektrodendurchmesser ca. 2 mm Wand stehen lassen.

      Sind die NiFe 60/40 Elektroden die du sowieso schon hast oder noch besorgen müsstest? 98% bzw. 100% Ni wäre rissunempfindlicher.

      MIG oder WIG-Löten mit bspw. CuSi3 Zusatz wär ne Alternative, ist evtl. schonender fürs Material, du könntest mit der Wand die vorm schweißen/löten stehen bleibt weiter runter gehen und die Flanken könnten Steiler sein (Zusatz- und Wärmemenge geringer)

      Für die Zahnräder und evtl. andere in der Hinsicht kritische Teile schadet es auch nicht wenn sie abgedeckt sind, falls doch mal ein Spritzer nach innen geht.

      Das ganze Getriebe im Montierten Zusatand vorzuwärmen ist so ne Sache, auch was Lager, Wellen etc. betrifft, da bietet sich das "kalt"schweißen an, also insgesamt möglichst wenig Wärme einbringen, nur 1 bis 2 cm auf einmal und wieder komplett abkühlen lassen, bei E-Hand die Nahtstückchen noch warm abhämmern. In Hinsicht auf Wärmeeinbringung sind Verstärkungslaschen auch eher ungünstig, alles was nicht unbedigt sein muss und das Material thermisch belastet würde ich weglassen.
      In der Hinsicht ist es natürlich auch wieder günstiger wenn nicht der ganze Querschnitt geschweißt wird.
      Wo jetzt ein vernünftiger Kompromiss ist, zwischen dem dass man Riskiert dass der Riss wiederkommt und dem dass man dem Material thermisch zu viel zumutet (also im Endeffekt wie tief man den Riss konkret ausschleift) das ist echt schwer zu sagen
      schöne Grüße
      Tommy
      Moin,

      die Gehäusewand ist etwa 7mm.
      Die Elektroden habe ich noch nicht bestellt und auch nicht vorrätig.
      Wollte keine Reinnickelelektroden nehmen, da diese eine schlechtere Festigkeit haben sollen.
      Die Alternative mit dem Löten/Kaltschweißen hört sich gar nicht so schlecht an. Der CuSI3 Draht ist auch noch halbwegs erschwinglich.
      Da bin ich mir aber nicht sicher, ob das auch etwas Festigkeit bringt. Habe das in Bezug auf Guss-Schweißen nur zum Auftragsschweißen gefunden. Ansonsten wird ja immer Nickel empfohlen.

      Gruß
      Deutzfahrer
      Die Vorschläge von tommy sind schon sehr gut.
      Dem kann ich insoweit erstmal nix hinzufügen.

      Gernoth schrieb:

      Also ich sehe keine Risse nur Spuren einer Trennscheibe.


      Ich meine auf einem Bild sieht man den Riss ganz fein, aber nur via Foto ne VT zu machen hat immer einen ekelhaften Beigeschmack...
      Jedoch frage ich mich ob eine PT Prüfung des gesamten Bauteils nicht Sinnvoll wäre.
      Hallo,
      die ersten Bilder sind nur um einen Überblick über die Dimension vom Riss zu bekommen.
      Auf den letzten Bildern kann man den Riss tlw. schon erkennen.
      Allerdings habe ich auch große Schwierigkeiten das Ende des Risses zu finden um es anzubohren.
      Gibt es da gute Risssuchsprays die ich auftrage und direkt rüberschweißen kann?
      Dann könnte ich auch im Nachgang über die Schweißnaht sprühen um zu gucken ob alles dicht ist und keine Bindungsfehler an den Rändern sind.
      Wäre schön, wenn ich das schon testen könnte eh ich alles zusammenbaue und Öl draufkippe.
      Ist das sinnvoll? Ferndiagnosen sind immer schwierig, das ist mir schon klar ;)

      Gruß
      Deutzfahrer
      Japp, PT Prüfung bietet sich wunderbar dabei an.
      Wichtig in dem Zusammenhang ist, das Du die Dosen zur Prüfung in einem Gebinde kaufst.
      Sprich; Vorreiniger, Untergrundfarbe und Rot aus einem System kommen.
      Diese sind mittels Verfahrensprüfungen der Hersteller zugelassen und verlässlich.

      Kannst mal bei Helling gucken, da beziehe ich meine Dosen auch immer. Will es nicht verlinken da ich mir gerade nicht sicher bin ob ich das darf. :cop:
      Falls Du Fragen zur Durchführung der Prüfung hast, sag bescheid. Ist aber echt keine Wissenschaft.
      Hallo,
      danke für die Tipps und Ratschläge.
      Hier einmal zusammengefasst die Vorgehensweise, Ergebnisse und Fazit meiner Arbeit. Vielleicht hat ja jemand ein ähnliches Projekt.
      Der Riss wurde komplett aufgearbeitet, bis ich tlw. komplett durchgucken konnte. Die Enden allerdings bewusst nicht angebohrt, da schwierig zu verschweißen und das Ende nicht klar erkennbar.
      Ein Blech zum Schutz der Zahnräder wurde untergelegt.
      Die Wurzel wurde mit Schutzgas geschlossen.
      Die Wurzellage mit reiner Nickelelektrode 2,5 mm (10 stk. für 15 € -> 3 stk. benötigt) ausgeführt im 3 cm Pilgerschrittverfahren.
      Alle Weiteren Lagen mit 3,2 mm Gricast 62 60/40 Nickel-Eisen-Elektroden (10 stk. für 15 € -> 8 stk. benötigt) ausgeführt im 3 cm Pilgerschrittverfahren und sofortigem Abhämmern um die Spannungen zu nehmen.
      Anschließend wurde mit dreikomponentigem Rissprüfspray die Naht überprüft. Dieser Schritt scheint allerdings in diesem Fall sinnlos, da scheinbare Haarrisse nicht behoben werden können und Poren störend starke Verfärbungen hervorrufen. Richtige Risse, die behoben werden können/müssen, können auch mit bloßem Auge erkannt werden. Kosten für das Verfahren ca. 30 €.
      Reine Schweißzeit: 3 Std.
      Da es beim Verschweißen der querliegenden Naht zum Aufreißen der längsseitigen Wurzelnaht gekommen ist scheinen hohe Spannungen entstanden zu sein, obwohl ich regelmäßig Pausen eigelegt habe. Ein Spannungsarmglühen wäre sicherlich sinnvoll, allerdings nicht möglich, da das Getriebe nicht zerlegt ist.
      Die Flanken des Risses mussten relativ flach ausgearbeitet werden, da es ansonsten zu Schlackeeinschlüssen kam. Die 3,2 mm Elektroden haben ein besseres Schweißbild gegebenals die 2,5 mm. Zu Rissen in der Naht ist es fast nie gekommen, dank des Plattklopfens mit der Finne eines Hammers. Die Schlacke wurde zusätzlich mit einer verzopften Topfdrahtbürste für den Winkelschleifer entfernt - nach jedem Pilgerschritt. Das hat gut funktioniert.
      Fazit: Die Reparatur scheint auf diese Weise zu funktionieren. Die Reparatur mit CuSi-Draht im MIG-Lötverfahren wäre aufgrund der geringeren Wärmeeinbringung und steileren möglichen Flanken vermutlich besser gewesen. Allerdings hat mein MIG/MAG Schweißgerät leider keine Kennlinie dafür, sodass ich es nicht ausprobieren wollte. Die Kosten wären insgesamt auch höher gewesen.

      Gruß
      Deutzfahrer
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